Buchtipp: Nino Haratischwili, Die Katze und der General

Wolf Sander 

 

Georgien – wieder nur ein exotisches Buchmesse -Thema?

 

Der für uns schwer auszusprechende Nachname, das Gastland der Buchmesse in Frankfurt, Georgien, Tschetschenien – so what?

 

Nein, so einfachfach hat es uns die aus Georgien stammende, in Hamburg lebende und auf Deutsch schreibende Schriftstellerin Nino Haratischwili nicht gemacht. Nicht nur, dass ein nicht unwesentlicher Teil der Romanhandlung in Berlin angesiedelt ist, auch das Personal ist uns zum Teil sehr nah: Kunstschaffende in prekären Verhältnissen, gestrandete Migranten, russische Migranten – alle nicht weit weg von unserer Realität.

 

Und dann diese grundsätzlichen Fragen: wie stellen wir uns unserer eigenen Geschichte, sei es Familien- oder Nationalgeschichte, unseren Wurzeln? Wie gehen wir um mit Schuld und Verantwortung?

 

Nino Haratischwili arbeitet in ihrem Roman „Die Katze und der General“ mit einem sehr überschaubaren Personenfundus. Das entspricht so gar nicht unseren Klischee vom riesigen Personaltableau „östlicher“ Romane. Und was für Ent- und Verwicklungen tun sich uns auf! Keine der Romanfiguren ist rein. Alle arbeiten sich ab an ihrer Vergangenheit, suchen ihren Weg in der Gegenwart, erhoffen sich Vieles in der Zukunft.

 

Wenn das nicht schon ausreichend wäre für schlafarme Lesenächte, entfaltet Nino Haratischwili ihren Roman in einer hoch emotionalisierten Sprache, so ganz gegen den Zeittrend Coolness und Effektivität. Viel zu viele Adjektive, zu viele aufgeladene Bilder, zu viel Exotik – was immer man auch darunter verstehen mag. Das hat ihr die Literaturkritik vorgeworfen. Deshalb hat sie wahrscheinlich auch nicht den Deutschen Literaturpreis gewonnen. Ich hatte auf „Die Katze und der General getippt. Es bleibt mein Lieblingsbuch!

 

Nino Haratischwili

Die Katze und der General

Frankfurter Verlagsanstalt 2018

764 S – 30,00 €

 

Mehr zum Buch: http://bit.ly/die_katze_und_der_general

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