93 Kilo

Wolf Sander

 

Was macht man(n), wenn er ein bisschen zu dick und zu jung ist, sie aber ein bisschen zu schön und zu verheiratet ist? Man versucht abzunehmen. Das andere kommt von alleine.

 

Er, die Hauptperson in Wolf Haas‘ coming-of-age-Roman „Junger Mann“, muss, will abnehmen. Zuviel Gewicht ist ungesund, hat er gelesen oder im Fernsehen geschaut, egal. Also trainiert er auf dem Rennrad seines Bruders (gekauft oder geklaut? – auch egal) immer diese gleiche Strecke mit der brutalen Steigung am Ende, wo der Tscho sein Haus hat. Tscho ist ein ganz paar Jahre älter, cooler Trucker und verheiratet mit ihr. Und dann passiert es – Platten vor dem Haus von Tscho und ihr und sie kommt heraus, um vielleicht ein Glas Wasser anzubieten. Und Tscho ist wieder mal auf dem Weg nach Teheran mit seinem Truck. Und jetzt geht’s dann richtig los.

 

Wolf Haas schreibt das alles aus der Sicht des jungen Mannes, eigentlich mehr Jugendlicher als Jungmann. Haas schreibt mit viel Witz, der nötigen Distanz und großer Sympathie, die man für solche Fälle haben muss. Und er dreht und wendet die Geschichte so oft hin und her, lässt ihn und uns ins Leere laufen, dass es eine Leselust ist. Wir tauchen ein in ein eher ödes Provinzleben mit all seinen kleinen und größeren Katastrophen und Tragödien, die das Leben so mit sich bringt.

 

Wolf Haas, bekannt geworden mit seinen Simon-Brenner-Krimis („Auferstehung der Toten“ ist der erste Band), legt mit „Junger Mann“ einen Liebesroman jenseits von rosaroter Romantik und anbiedernder Jugendsprache vor. Hat Haas auch nicht nötig. Er kitzelt aus der Alltäglichkeit die nötige Spannung hervor und lässt gerade soviel sprachliches Lokalkolorit zu, um authentisch zu wirken.

Bei Haas weiß ich nie, ob ich große Literatur lese oder doch Zeitromane, die in wenigen Jahren vergessen sind. Ist mir auch egal! Ich lese Haas einfach gerne.

 

Wolf Haas

Junger Mann

Hoffmann und Campe 2018

 

238 S. – 22,00 €

 

Mehr zum Buch:  http://bit.ly/haas_junger_mann

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