Zugabe!

Wolf Sander

 

Alles was Rang und Namen hatte in Politik, Kultur und „Gesellschaft“ fügt sich in Mini-Dramen und Dramoletten zu einem Jahresreigen. Einige Protagonisten bekommen richtig ihr Fett weg (allen voran Rainer Maria Rilke: „R. wieder verschnupft – wann hatte er eigentlich keinen Schnupfen?“), andere wiederum werden in ihrer liebenswürdigen Schrulligkeit dargestellt. Und natürlich die großen Lieben werden aufgeführt, wer mit wem wann und wo und schon wieder nicht.

 

Natürlich kann man sich fragen, was soll das? Ja, was soll Kultur? Warum sich mit Geschichte befassen, und dann noch in so leicht(fertig)er Weise? Um des Vergnügens willen, des Wissenwollens wegen! Leider haben wir kaum Autoren, die große Themen unterhaltsam, nachvollziehbar mit „netten“ Geschichten illustrieren können. Engländer können das, und Florian Illies kann es!

 

„In dieser Silvesternacht, in den Stunden zwischen dem 31. Dezember 1912 und dem 1. Januar 1913 beginnt unsere Gegenwart. Es ist für die Jahreszeit zu warm. Das kennen wir ja. Sonst kennen wir nichts. Herzlich willkommen.“

 

So beginnt das Buch von Florian Illies, erzählt von Coco Chanels neuer Mode, lässt August Bebel zu Wort kommen und begleitet Igor Strawinsky auf seinem Weg in die Neue Musik, zu „Le sacre du printemps“. Marcel Proust findet endlich einen Verleger für seinen Jahrhundertroman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, Maxim Gorki liebt und leidet im Exil auf Capri. Aber auch Karl Hopf rückt ins Bild, der seine Lieben langsam mit Strychnin ums Leben bringt, um letztlich doch dem Fallbeil nicht zu entgehen – „Zack“. Allein diese Sätze am Ende der kurzen Absätze: „Wir sind alle käuflich“ – „Gut gebrüllt, Löwe!“ – „Aber wird es helfen?“ – „Schau an.“ Schon die lohnen die Lektüre.

 

Florian Illies hat seinem Buch „1913 – Was ich unbedingt noch erzählen wollte“ ein Personenregister angefügt, im ersten Band habe ich dies schmerzlich vermisst. Das Register umfasst auch den ersten Band „1913 – Der Sommer des Jahrhunderts“, unbedingt ein Grund dieses Buch sich noch einmal vorzunehmen bzw. käuflich zu erwerben. Schließlich sind wir alle käuflich.

 

Florian Illies

1913 – Was ich unbedingt noch erzählen wollte

S. Fischer 2018

 

 

304 S. – 20,00 €

 

Mehr zum Buch: http://bit.ly/illies_1913_fortsetzung

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