Deine Mutter war ein Fisch von A.M. Homes

Linda Woischwill

 

„A.M. Homes erforscht menschliche Beziehungen anhand von Charakteren, die nicht ganz die sind, die sie gerne wären, obwohl es sonst niemanden gibt, der sie sein könnten.“

 

Die Beschreibung des Buches durch den Verlag erweckte mein Interesse und auch eine riesige Erwartungshaltung. Allerdings ist es manchmal schwierig, mit dieser an ein Buch zu gehen. Oft genug wurde ich dann enttäuscht. Ich kannte die Autorin vorher nur für ihre Romane, die mich schon sehr begeistert hatten. Also habe ich mir den 2020 erschienen Kurzgeschichtenband bestellt, habe das Buch gelesen und bin seitdem ein noch größerer Fan der Autorin.

 

In ihren 12 Geschichten schafft sie es, Figuren zum Leben zu erwecken, die einem so sehr ans Herz wachsen, dass man so gern noch viel mehr von ihnen gewusst hätte. Passiert bei mir selten. Ich bin oft damit einverstanden, wenn ein Buch zu Ende gelesen und somit auch die Protagonisten verschwunden sind. Besonders in meiner Lieblingsgeschichte „Landesausstellung für Käfigvögel“ ist es mir so ergangen. Ich war danach fassungslos, nichts mehr von Grace und Matttew zu hören.

 

Aber der Reihe nach: Wir begeben uns in ein Internetforum für Wellensittiche. Die unterschiedlichsten Charaktere treffen dort in wilder Willkür aufeinander. Wieso ein Forum für Wellensittiche zu einem Treffpunkt von einem Soldat der U.S. Army und einem Teenager aus kaputten familiären Verhätnissen wird? „Ich bin zur Ablenkung hier, wegen der Freude, die etwas so Kleines und Unschuldiges wie ein Wellensittich schenken kann.“ Die Mitglieder im Forum unterhalten sich, ohne wirklich zu reden. Zwischen den Futtertipps für Sittiche und dem Retten eines kranken Vogels mischen sich Geschichten von Tod, Verlust und sexueller Gewalt. Und gerade deswegen hat mich diese Geschichte emotional am meisten bewegt. Es entwickeln sich starke Freundschaften, man empfindet Empathie und hilft sich. Alle verabreden sich zur Landesausstellung für Käfigvögel in New York, um einander zu treffen und kennenzulernen. Nur leider wird am Ende der Story klar, dazu wird es wohl doch nicht so schnell kommen…

 

Eine andere, nicht minder beeindruckende Geschichte ist die nur 8 Seiten lange Short Story „Sei mein“. Ein fast unerträgliches Gespräch zwischen einem Ehepaar. Permanente Vorwürfe und Androhung der Trennung, um am Ende doch zueinander zu finden. Zu lesen sind zum Beispiel dieser grandiose Schlagabtausch:

 

»Hörst du jemals auf dich zu beschweren?«, fragt er. 

»Nein«, sagt sie entsetzt, »Dann hätte ich ja alle Hoffnung verloren.«

 

A.M. Homes, wird auch die „Meisterin der Kurzgeschichte“ genannt.

Und das ist in diesem Fall nicht übertrieben.

 

Virtuos übersetzt von Ingo Herzke, haben mich die Geschichten tief berührt und begeistert. Manche der Storys habe ich mittlerweile an die 10 Mal gelesen und sie verlieren dabei nichts an Intensität. Ganz im Gegenteil.

 

 

A.M. Homes

Deine Mutter war ein Fisch 

Verlag Kiepenheuer & Witsch

368 S. - € 22,00

 

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